Rufnummer unterwegs finden

Vor zwei Tagen hatte ich über eine neue App geschrieben, die es erlauben soll, dass sich der Nachwuchs einmal wieder meldet. Als Eltern kennt man das ja, wenn der Nachwuchs langsam flügge wird. Bei uns dauert das Gott sei Dank noch ein wenig. Wir können uns auch noch gut an die Zeit erinnern, als man nicht jede beliebige App auf dem Smartphone hatte und rund um die Uhr erreichbar war. Ja, das gab es wirklich mal und ist gar nicht so lange her.

Wir hatten zu Hause nur einen Anschluss. Am langen Kabel konnte man erkennen, ob es gerade im Wohnzimmer war oder auf seinem Platz in der Diele stand. Das Kabel war gerade lang genug, dass man sich mit dem Wählscheibentelefon bequem auf die Treppe setzen konnte, wenn das Gespräch einmal länger dauerte. Zurückziehen ins eigene Zimmer war unmöglich. Auch unterwegs konnte man nicht einfach angerufen werden. Dafür gab es ja Telefonzellen, die noch ab und an als Relikte in der Weltgeschichte herumstehen. Kürzlich habe ich noch vier auf einen Streich im Hamburger Hauptbahnhof gesehen. Fast hätte man meinen können, dass sich Spinnweben auf den Geräten niedergelassen hätten.

Das Verzeichnis für die Hosentasche

Wie war noch mal die Rufnummer von der Pizzeria am Ort? Vom Schwimmbad? Vom Kindergarten. Tja, heute sucht man im Internet dazu oder nimmt das ein Online-Verzeichnis überall mit hin. So hat man alle wichtigen und auch unwichtigen Nummern immer dabei. Bei uns gab es zwei Bücher. Eine wichtige Liste mit den wirklich wichtigen Nummern, Freunde der Eltern, Großeltern etc. hingen in einer Art Telefonkalender an der Wand. Man brauchte nur den Anfangsbuchstaben des Nachnamens aufschlagen und konnte dann auswählen. Weit schwieriger war das dicke gelbe Telefonbuch, das in einer Schublade unter dem Telefon lag. Schwer war es. Pergamentartiges, dünnes Papier und Hunderte, ja Tausende Nummern. Wow. Wie sollte man da schnell etwas finden.

Die wichtigen Nummern kannte man mit der Zeit auswendig und wenn nicht, blätterte man in dem Telefonbuch herum. Heute geht es mit der App am schnellsten. Ob lokal oder deutschlandweit hat man alle wichtigen Nummern auf einen Fingerstreich parat. Ich überlege gerade, wie wir das damals bloß überstanden haben. Und so lange ist das auch gar nicht her.

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Veröffentlicht von

www.appatizer.de/uber

Sven ist seit 1998 im Internet unterwegs, Vater von Zwillingsjungs, schwärmt für Bücher bei seinem ersten Projekt und hier, skandinavisches Design, guten Espresso und ist auch in der Welt der Apps unterwegs.In seinen Workshops berät er Eltern und Lehrer im Umgang mit Tablets und Apps. Er ist Mitorganisator der #denkst-Konferenz in Nürnberg.

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