Warum In-App-Käufe in Kinderapps fehl am Platz sind

In-App-Käufe haben in Kinder-Apps nichts zu suchen. Sie setzen auf eine falsche Strategie. Hier sollte lieber gleich der normale Preis festgesetzt und auf Werbung verzichtet werden. Nur so kann man Kinder und Erwachsene langfristig binden

Apps sind seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Auch wenn unter den beliebtesten Apps Spiele nicht die große Rolle spielen, sind sie von Smartphones und Tablets nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Unternehmen entwickeln Apps für Kinder. Und das aus gutem Grund. Angesiedelt im Taschengeldbereich sind sie die eierlegende Wollmilchsau für ein Unternehmen. Vor allem, wenn es auf Video und In-App-Käufe setzt. Doch dabei hat dies in einer App für Kinder nichts zu suchen.

Statistik: Apps mit der höchsten Wachstum der Nutzerzahl weltweit im Jahr 2014 | Statista

Statistik: Apps mit der höchsten Wachstum der Nutzerzahl weltweit im Jahr 2014 | Statista

Seit einigen Jahren kursiert das Wort „Freemium“ durch die digitale Welt. Das Geschäftsmodell ist eine Kombination aus den Wörtern „Free“ und „Premium“. So wird ein Basisprodukt kostenlos abgegeben, weitere Funktionen bzw. das Gesamtprodukt gegen Gebühr. Grundsätzlich ich dagegen nichts zu sagen, man möchte den Kunden auf der einen Seite auch nicht die sprichwörtliche Katze im Sack verkaufen. Bei Herstellern von Bürosoftware sind Testversionen üblich. Hat man sich das Produkt heruntergeladen, kann man es, je nach Anbieter, für 30, 60 oder gar 90 Tage testen. Möchte man es dann weiterhin nutzen, ist der Erwerb nötig. Auch dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Möchte ich mich für ein bestimmtes Produkt entscheiden, beispielsweise einer Bildbearbeitungssoftware, möchte ich zuerst alle Funktionen ausprobieren. So kann ich mich zwischen den unterschiedlichen Anbietern am Ende entscheiden. In diesem Sektor bringt ein Freemium-Modell meiner Ansicht nach wenig. Eine abgespeckte Fotosoftware kann ich dann vor dem Erwerb nicht auf Herz und Nieren testen.

App-Entwickler setzen auf das Taschengeld

Im App-Bereich sieht es anders aus. Bei gewissen Anwendungen gibt es auch hier das Freemium-Modell. Aber bei Kinder-Apps haben sie nichts verloren. Kinder können noch nicht zwischen Werbung und Realität unterscheiden. Haben sie sich mit einem „Helden“ in der App angefreundet, wollen sie auch die restlichen Level freischalten oder die dafür nötigen Elemente/Sternchen/Diamanten erhalten. Diese erreicht man aber durch gutes Spielen nicht. Nur durch einen Kauf. Eine Entwicklung einer richtig guten Kinder-App kostet Zeit und Geld. Dies muss auf mittelfristigem Wege wieder heringeholt werden. Also gestaltet man die Level einer vermeintlich kostenlosen App so schwierig, dass man nach 5-10 Leveln die Anwendung entweder entnervt löscht oder das Geld locker macht. Und gerade hier liegt die Krux. Kinder bekommen heute viel Taschengeld. Sie müssen davon in der Regel keine Ausgaben bestreiten. Daher sitzt es recht locker. Hier mal 2 Euro für ein Sack Diamanten, hier mal 50 Cent für virtuelles Heu. Die Summe macht es – und sie rechnet sich für die Hersteller.

Warum nicht nur kostenpflichtige Apps

Viele Spielestudios wollen die Nutzer in gewisser Art „abhängig“ machen. Sie könnten ja Apps im Taschengeldbereich erstellen, ohne In-App-Käufe, ohne Werbung. Dann wäre beiden Seiten geholfen. Aber es wird davon kein Weg wegführen. Auf appatizer.de werde ich auch in Zukunft Apps für Kinder vorstellen, die sowohl kostenpflichtig, als auch kostenlos sind. Richtig kostenlose Apps gibt es nur selten. Meistens lockt ein In-App-Kauf oder (unpassende) Werbung, sowie die Zwangsverknüpfung mit einem sozialen Netzwerk. Doch auch hier wird an der Zielgruppe vorbei entwickelt. So gibt es beispielsweise Apps für Kinder ab 6 Jahren, die für die volle Nutzung eine Verknüpfung mit dem Facebook-Account voraussetzen. Facebook ist aber für Kinder unter 13 Jahren nicht erlaubt.

Die Angaben zu In-App-Käufen und Werbeeinblendungen werden in den Tests angegeben.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Kinder-Apps gemacht? Gibt es gute, kostenlose Apps für Kinder ohne Werbung? Dann her mit den Tipps in das Kommentarfeld unter diesen Beitrag.

 

Grafik: statista

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Veröffentlicht von

www.appatizer.de/uber

Sven ist seit 1998 im Internet unterwegs, Vater von Zwillingsjungs, schwärmt für Bücher bei seinem ersten Projekt und hier, skandinavisches Design, guten Espresso und ist auch in der Welt der Apps unterwegs.In seinen Workshops berät er Eltern und Lehrer im Umgang mit Tablets und Apps. Er ist Mitorganisator der #denkst-Konferenz in Nürnberg.

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