Was sind kindgerechte Apps – Interview mit Christian Thamm und Peter Deeg

Christian Thamm und Peter Deeg

Christian Thamm und Peter Deeg

Ich freue mich über die Antworten von Christian und Peter, die zusammen „PipPap“ entwickelt haben. In meiner neuen Interviewreihe rund um kindgerechte Apps erklären Sie, wie sie arbeiten und was das Besondere an Apps für Kindern ist.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind ein kleines, kreatives App-Entwicklungsteam und haben mit den „PipPap“-Geschichten unsere ersten Apps veröffentlicht. Momentan arbeiten wir zu dritt: Peter Deeg ist der Autor der Geschichten, der Illustrator Christian Thamm verwandelt sie in Bilder und steuert das Projekt, der Webprogrammierer Jonathan Holler sorgt für die Animationen und die Interaktivität.
Mit unseren Apps wollen wir uns vom Mainstream abheben. Sie sind eine Einladung an Eltern und Kinder für ein gemeinsames Erlebnis, wie es sich beim Vorlesen aus einem Bilderbuch einstellt: Die Zeit scheint still zu stehen, alle Aufmerksamkeit ist da, der Zauber der Geschichte entfaltet sich. Alles in ruhigem, selbstbestimmtem Tempo und mit bewußt zurückhaltenden Toneffekten und Animationen.
Für diesen Anspruch „feilen“ wir sorgfältig an jedem Satz, jedem Bilddetail und jedem interaktiven Element unserer „PipPap“-Apps.

Seit wann entwickelt ihr Apps?

Das ist unser erstes gemeinsames Projekt. Begonnen haben wir damit Anfang 2014. Christian ist schon seit 2012 mit der konzeptionellen App-Entwicklung befasst.

Making-Of PipPap

Making-Of PipPap

Wie lange dauert eine Entwicklung?

Das hängt natürlich vom Umfang einer App ab. Bei „Pip und Pap“ hat es ein gutes Jahr gedauert. Zum einen, weil wir zwei Apps gleichzeitig entwickelt haben, zum anderen, weil wir mehrfach im Laufe des Projektes das Konzept angepasst haben. Wenn man nämlich damit beginnt, Text, Bild, Animation und Sound zusammenzufügen, entstehen auch unvorhersehbare Dinge, die App beginnt dann fast so etwas wie ein Eigenleben zu entwickeln. Das ist das Faszinierende an dem Prozess.

Was zeichnet eine gute kindgerechte App aus?

Unserer Ansicht nach muss eine kindgerechte App dies erfüllen:

  1. Spass mit den Bildern und der Geschichte zu haben: Apps für Kinder sollen vor allem die Phantasie anregen, sie zum Lachen bringen und neugierig machen, alles in der App auszuprobieren
  2. Einfach muss die App sein und selbsterklärend: Die Kinder müssen sich darin intuitiv zurechtfinden
  3. Zurückhaltender Einsatz von Animationen und Tönen: Es sollte dort keine Reizüberflutung geben. Deshalb setzen wir Sounds wohldosiert ein und verzichten auf hektische Bewegungsabläufe. Das hilft Kindern, sich in der App immer orientieren zu können und genau zu wissen, was gerade geschieht.

Hinzukommt der konsequente Schutz der Kinder vor unerwünschten Einflüssen aus dem Internet, insbesondere durch Werbung. Wir lassen in unseren Apps bewusst keine Werbung zu und natürlich haben wir alle Links mit einem Kinderschutz versehen.

Muss man bei der Entwicklung für Kinder-Apps bestimmte Details berücksichtigen?

Oh ja. So haben wir zum Beispiel die „PipPap“-Apps für unterschiedliche „Zielgruppen“ geschaffen: Für die Kinder zum Mit-Erleben der Geschichten und zum Mit-Machen. Für die Erwachsenen zum Vorlesen als gemeinsames Erlebnis mit den Kindern. Kinder und Erwachsene gehen unterschiedlich mit den Apps um: Erwachsene wollen das Konzept und die Erzählweise erkennen und verstehen. Für sie haben wir die animations- und aktionsauslösenden Elemente in den Textfluss gelegt.
Kinder sind spontan und weniger vorsichtig, sie „tippen und wischen“ auf dem Bildschirm einfach „drauf los“ und beobachten, was geschieht. Für sie haben wir die auslösenden Elemente auf den Bildern positioniert, zum Teil auch darin versteckt.

Was ist das Besondere an den „Pip und Pap“-Geschichten?

  1. Zunächst einmal, dass wir darin dem Konzept des gemeinsamen Vorlese-Erlebens für Eltern und Kinder folgen. Nachdem Kinder so die Geschichten kennengelernt haben, werden sie darin auch gerne allein auf Entdeckungstouren gehen.
  2. Die Entdeckungen finden im geschützten Raum einer „heilen Welt“ statt. Die meisten Kinder waren schon einmal in einem Zoo, sie haben eine Vorstellung, was es dort gibt und wie es dort aussieht. Das ist der Sicherheit und Geborgenheit gebende Rahmen, in dem die Kinder Neues entdecken können.
  3. Geborgenheit, Phantasie und Abenteuer: Kinder lieben Höhlen. Das sind für sie geheime Orte, an denen sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen können. Deshalb sind in unseren Apps die Höhle und der Geheimgang immer Ausgangspunkt für Abenteuer.

Was ist als nächstes geplant?

Es gibt eine Menge „PipPap“-Geschichten, die darauf warten erzählt zu werden. An der dritten App arbeiten wir bereits und die wird bald fertig sein. Darin werden „Pip und Pap“ wieder viele neue Tiere kennenlernen und dabei ganz schön nass werden.

Habt vielen Dank für eure Antworten.

Mehr zu den Geschichten auf der Website von PipPap.

Um Artikel über soziale Netzwerke weiterzuverbreiten, müssen Sie diese aktivieren - für mehr Datenschutz.

Veröffentlicht von

www.appatizer.de/uber

Sven ist seit 1998 im Internet unterwegs, Vater von Zwillingsjungs, schwärmt für Bücher bei seinem ersten Projekt und hier, skandinavisches Design, guten Espresso und ist auch in der Welt der Apps unterwegs.In seinen Workshops berät er Eltern und Lehrer im Umgang mit Tablets und Apps. Er ist Mitorganisator der #denkst-Konferenz in Nürnberg.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Pip und Pap – Tiergeschichten zum Lesen und Entdecken › appatizer - die besten Apps für Kinder und Eltern

Schreibe einen Kommentar